| Tommaso, 13 Jahre |
Mein Interviewpartner heißt Tommaso, ist 13 Jahre alt und geht in die 3. Klasse der Scuola Media, was der 8. Klasse in Deutschland entspricht. Tommaso lebt mit seinen Eltern und seinem jüngeren Bruder außerhalb einer mittelgroßen Stadt in Norditalien auf dem Land. In seiner Freizeit spielt er Handball und Gitarre. Er trifft sich gern mit seinen Freunden, vor allem „um draußen zu spielen.“
Seine Mutter leitet ein Yoga-Zentrum und unterrichtet dort auch, sein Vater ist in der beruflichen Weiterbildung tätig, widmet sich aber seiner Freizeit ebenfalls dem Yoga oder anderen spirituellen Aktivitäten. So verbringt die ganze Familie dieses Wochenende auf einem Yoga-Workshop für Erwachsene und Kinder.
In der Familie gibt es keinen festen Internet-Anschluss. Die Familie geht über einen UMTS Anschluss ins Netz, d.h. dass die Entscheidung, ins Internet zu gehen, eine bewusste und kontrollierbare Handlung ist, die ca. 5-10 Minuten Vorbereitungszeit benötigt.
Seit Tommaso 10 Jahre alt ist, besitzt er ein Handy, das er fast jeden Tag dazu benutzt, um vor allem Musik zu hören (also als MP3 Funktion), zu telefonieren, SMS zu schreiben oder um Fotos zu machen. Aber das Handy steht für ihn erst an dritter Stelle in der Rangfolge der für ihn wichtigsten Medien: Der Spitzenreiter ist für ihn der Computer, gefolgt von der festen Spielkonsole Playstation. Darauf folgen das Handy und dann das Fernsehen (mit Flachbildschirm).
So nutzt Tommaso den Computer jeden Tag, ebenso die Playstation und das Fernsehen (PS3 und TV zusammen ca. 2, 5 Std. am Tag; seine Lieblingssendung im TV ist „Cobra 11“). Tommaso liest auch Bücher (ca. 1 Buch pro Monat, meistens für die Schule oder weil „meine Mamma es sagt!“) und wenn er bei seinem Opa ist (zweimal in der Woche), dann liest er dort auch eine Tageszeitung.
Der Computer steht für Tommaso an erster Stelle, weil „ich damit ja alles machen kann – spielen, fernsehen und Musik hören“. Dass der Computer nicht ihm gehört, sondern seiner Mutter, scheint ihn dabei nicht zu stören.
Pro Tag nutzt Tommaso den Computer ca. 30-60 min., meistens am Nachmittag, wenn er aus der Schule kommt. Er spielt z.B. Multi-Player Spiele über Facebook (zu denen er sich mit seinen Freunden verabredet) oder ein Architektur-Spiel, das er von seiner Lehrerin erhalten halt. Er schreibt Texte für die Schule, macht Recherchen im Internet oder malt mit Malsoftware Hintergründe für sein Handy. Sehr oft lädt er kostenlose, aber legale Musik vom Computer auf sein Handy herunter.
Das Internet scheint ihn nur bedingt zu interessieren. Sein Hauptinteresse ist Musik, die er downloaded oder er sieht sich Musikvideos auf Youtube an. Dieses Videoportal bezeichnet er auch als die Seite, die er am meisten aufruft. Danach kommt Facebook und ein paar Seiten über Motorrad-Sport. Um für die Schule zu recherchieren, nutzt er Wikipedia.
Tommaso besitzt hingegen keine E-Mail Adresse („Wozu brauch ich die denn?“), keinen Instant Messenger und auch Chats oder Tweets sind für ihn uninteressant. Twitter war ihm ein Begriff, er hatte dieses Tool aber noch nie selbst gesehen.
Tommaso ist Mitglied auf Facebook, seine Online-Freunde sind aber auch seine wirklichen Freunde („Wenn Freunde von Freunden mich anschreiben, lehne ich immer ab!“). Tommaso veröffentlicht Fotos von sich selbst und von seinen Freunden auf Facebook, er hat auch eine eigene Interessensgruppe seines Handball-Vereins auf Facebook gegründet. Aber Facebook scheint ihn relativ kalt zu lassen, denn er kontrolliert seine Seite ca. einmal in der Woche. So kann es passieren, dass seine Mutter, auf deren E-Mail alle Notizen, die Tommaso auf FB erhält, eingehen, ihn daran erinnern muss, seinen Freunden zu antworten.
Tommaso scheint alles andere als ein „Digital Native“ zu sein, denn seine hauptsächlich mit Medien verbundenen Interessen – spielen und fernsehen – verschieben sich vom Ursprungsmedium (Playstation, TV, mit Freunden spielen) auf ein digitales Medium, d.h. im Falle Tommasos auf den Computer. Für ihn ist es aber wichtiger, die spezifische Aktivität auszuführen, in welchem Medium dies passiert, ist für ihn unerheblich. Könnte man Musik auch am Kiosk bekommen, würde er dies wohl auch akzeptieren.
Aber er fühlt sich seinen Eltern überlegen: „Ich muss ständig das Facebook-Profil meiner Mutter neu einstellen! Das lernt die nie!“
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