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Medienpädagogik - Takt 2: Jeder für sich!

Wenn man von der Erlebnisgesellschaft redet, spricht man meist von den anderen, die von einer oberflächlichen Event- und Spaßkultur vereinnahmt worden sind. Selber hat man noch ganz andere Werte und Einstellungen. Doch manchmal beschleicht einen dann auch die Vermutung, dass man selbst bereits von der Erlebnisgesellschaft angeknabbert ist.

Welchem der von Schulze beschriebenen Milieus würden Sie sich zuordnen?
Es ist nicht ganz einfach, sich einem von Schulze beschriebenen Milieu zuzuordnen, da meiner Meinung nach einige Differenzierung fehlen. So hatte ich zunächst gedacht, mich dem Integrationsmilieu zuzuordnen, finde mich aber in dessen Distanzierungen eigentlich nicht wieder, tendiere da ehe in Richtung Niveaumilieu, was aber auch nicht so ganz stimmt, denn ich lese gern mal die „Bunte“, gucke „Grey’s Anatomy“ und mag Handarbeiten. Aber ich mache durchaus auch Dinge, zum Selbstverwirklichungsmilieu gehören, nur vielleicht heute nicht mehr so stark wie noch vor zehn Jahren.
Die von Schulze aufgelisteten Charakteristiken erinnern mich eher an eine Gesellschaftsstruktur, wie sie mir Ende der 90er und Anfang des neuen Jahrtausends bekannt waren, vor allem, was die Medien angeht. Was mir hier für eine genauere Einordnung fehlt, sind Werte und Tendenzen, die in den letzten 3-4 Jahren an Bedeutung gewonnen haben, wie z.B. Kommunikationsverhalten (z.B. mobile Kommunikation) und Technologie, Umweltbewusstsein, Essgewohnheiten und ein differenziertes Verständnis von Gesundheit.

Wenn Schulze den „Zwang zum Wählen“ beschreibt, dann wäre zu fragen, ob Ihnen bei sich selbst bestimmte Muster auffallen.

Ich erinnere mich noch gut daran, dass ich in der Schul- und Universitätszeit manchmal dachte: „Würde ich doch im 19. Jahrhundert leben – dann würden andere für mich entscheiden!“ Wählen war und ist manchmal so anstrengend! Denn auch wenn ich bei den grundlegenden Entscheidungen in meinem Leben eigentlich keine Wahl zugelassen habe, wie z.B. bei der Entscheidung, in Italien zu leben, so habe ich immer alles Mal ausprobiert, im Sport, in der Mode, in Freundschaften. 
Während der Studienzeit hat mir eine Freundin mal gesagt: „Du kannst nicht alle Türen öffnen und einfach nachsehen, was dahinter ist! Du musst dich irgendwann für eine Tür entscheiden, hindurchgehen und sie hinter dir schließen. Vor dir wirst du dann viele neue Türen sehen, aber die hinter dir, die sind verschlossen.“ An dieses Bild habe ich in vielen Situationen in meinem Leben gedacht und es hat mir in der Tat geholfen, Entscheidungen zu treffen – denn ich habe das Glück, einer Generation anzugehören, die so viele Wahlmöglichkeiten hatte wie kaum sonst: Ich konnte meinen Leistungskurs in der Schule wählen, mein Studienfach und meinen Studienort, meinen Schüleraustausch, mein Erasmus-Jahr, wann und wen ich heirate, wo und was ich arbeite und dass ich mit Ende 30 noch ein Studium beginnen kann. Auch wenn es nicht immer leicht war und ist zu wählen, für mich war die Möglichkeit, wählen zu können, immer eher eine Gelegenheit denn ein Zwang.
Aber ich verstehe, was Schulze mit dem Zwang des Wählens meint, würde diesen Terminus jeodch eher auf eine Phase im Leben beziehen, in der es allen schwer fällt zu wählen, wie z.B. in der Zeit des Schüler- und Studentenlebens oder wenn man für andere Entscheidungen fällen muss, wie z.B. für die eigenen Kinder. So versuchen mein Mann und ich aus einem umfangreichen Angebot, das für unsere Tochter zu wählen, was für sie das Beste ist, müssen dabei einen Ausgleich schaffen zwischen dem, was ich glaube, was für sie Gut ist, dem, was die Gesellschaft fordert und dem, was sie mit ihren sechs Jahren glaubt, zu wollen. Und das ist sehr viel!
Wenn man in einer Erlebnisgesellschaft aufwächst und groß wird, dann ist es von enormer Bedeutung, Werte zu entwickeln und diesen den eigenen Kindern mitzugeben, um ihnen zu helfen, mit dem Zwang des Wählens umgehen zu können, den Mut und die Kraft zu haben, sich für nur eine Tür zu entscheiden. Wer entscheiden lernt, für den wird Wählen nie Zwang sondern Möglichkeit sein.

Wenn Sie sich einem bestimmten Lebensstil zuordnen müssten, wir würden Sie diesen benennen?

Habe ich einen Lebensstil? Wenn „normal“ ein Lebensstil ist, dann gehöre ich vielleicht in diese Kategorie – wobei „normal“ natürlich zu definieren wäre, was wiederum auch nicht so einfach ist. Vielleicht definiere ich mich eher durch Distanzierungen: Ich kaufe Gemüse von lokalen Lieferanten, esse aber trotzdem gern mal einen Hamburger. Ich lese den „Spiegel“ und die „Zeit“, gehe aber lieber auf ein Konzert von Jovanotti als in die Oper. Ich lache über italienische Komödien und finde Wim Wenders ziemlich langweilig. Ich habe ein iPhone und ein MacBook, fahre aber ein koreanisches Auto und kaufe für meine Tochter Kleidung im Second Hand-Laden.
Wahrscheinlich definiere ich mich gerade selbst, und bin mir auch nicht mehr so sicher, ob das alles „normal“ ist. Mein Lebensstil ist der, Dinge zu tun, die mit meinen Werten und meinem (Wohl-) Gefühl übereinstimmen, wenn möglich ohne anderen dabei zu schaden. Egoismus mit Gemeinschaftsgefühl? Ist das ein Lebensstil?

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