Im Rahmen der Umstellung des Präsenztrainings kommt die Vertriebsleiterin Ihres Unternehmens auf Sie zu, um mit Ihnen über den Sinn der methodisch-didaktischen Umstellung des Trainings zu sprechen. Sie ist nicht davon überzeugt, dass die Fokussierung auf E-Learning den gleichen Nutzen bringt, wie ein konventionelles Präsenztraining.
Wie gehen Sie mit der Situation um und welche Argumente bringen Sie hervor, um den qualitativen und quantitativen Nutzen herauszuarbeiten?
Hinweis: Bei der Beantwortung der Frage beziehe ich mich auf das von der Lerngruppe 8n@ch8 skizzierte Lernszenario (Skytours).
Die Einführung einer E-Learning Strategie innerhalb einer Firma, die sich bisher bei der Fortbildung der Mitarbeiter auf Präsenztraining konzentriert hat, führt durchaus zu Zweifeln und Überlegungen, die nicht nur organisatorischer, sondern auch wirtschaftlicher Art sind. Ein Konzept kann methodisch-didaktisch durchaus sinnvoll und nachvollziehbar sein, es sollte jedoch auch wirtschaftlich umsetzbar und vor allem auf lange Sicht tragbar sein.
Die „Investitionen“, die in einem solchen Kontext getätigt werden, sind daher unterschiedlicher Art und müssen aus verschiedenen Perspektiven betrachtet werden. Aus diesem Grund argumentiere ich gegenüber der Vertriebsleiterin mit folgenden Punkten:
An erster Stelle steht die Beurteilung der wirtschaftlichen Investitionen, wobei ich den Aspekt der Kosteneinsparung als wichtigsten Grund bei der Einführung des neuen E-Learning Szenarios nennen würde.
Innerhalb unseres Lernszenarios Skytours können wir davon ausgehen, dass wir in folgenden Bereichen einsparen können:
- die Franchise-Partner lernen an Ort und Stelle, d.h. am Arbeitsplatz; es geht keine Arbeitszeit für Reisen oder andere Ortswechsel verloren
- hohe Reisekosten (vor allem aus dem europäischen Ausland) sowie Kost- und Logiskosten werden extrem reduziert
- es müssen keine Räume in Hotels oder Kongresszentren für die Präsenzseminare angemietet werden
- für die Fortbildung im Virtuellen Klassenzimmer werden nicht so viele Dozenten wie bei Präsenzseminaren benötigt; ebenso können die Dozenten von zu Hause arbeiten und verursachen dadurch keine Reisekosten zu unseren Lasten
- es entstehen nur noch geringe Kosten für die Verteilung von gedrucktem Lernmaterial (hier haben zwar eventuelle Mehrkosten für die Hardware, z.B. Webcam und Kopfhörer, die jedoch nur einen einmaligen Posten ausmachen)
- bei eventuellem Update der Materialien muss nicht alles neu gedruckt werden
Des Weiteren können wir mit dem Kontrollinstrument ROI (Return on Investment) rechnen (5. Stufe des Evaluationsmodells von KIRKPATRICK[1]), durch den der Rückfluss von Investitionen im Bereich E-Learning nachvollziehbar wird. Dank eines „ROI-Analyse“-Plans können nicht nur die Gesamtinvestitionen auf mehrere Jahre, sondern auch einzelne Effekte des E-Learnings untersucht werden. Hier würde ich mit der Vertriebsleiterin die verschiedenen Investitionskontexte auf kurzfristige und längerfristige Sicht „durchgerechnen“ und bei Unsicherheit gegenüber einer Investition auch den Nettobarwert in die Überlegung mit einbeziehen, um den gesamten Überschuss einer Investition zu bestimmen.
Bei meiner Argumentation würde ich jedoch nicht nur die wirtschaftlichen Aspekte in die Überlegungen einfließen lassen, sondern auch den „Mehrwert“ qualitativer Art für die Firma selbst, die Mitarbeiter und im Endeffekt auch den Kunden (Value of Investment - VOI) – es geht also um qualitative Investionen.
Hierbei handelt es sich um Werte, die nicht in Zahlen ausgedrückt werden können und daher nur schwer erfassbar sind, aber auf das Betriebsklima sowie den „Return on Knowledge“ wichtigen Einfluss haben.
- Dazu gehört, dass Innovationen in der Firma schneller eingeführt werden können, da sich die Informations- und Weiterbildungswege extrem verkürzen. Die firmeninterne Kommunikation verbessert sich, was sich wiederum positiv aufs Betriebsklima auswirkt.
- Bei den Mitarbeitern ist mit erhöhter Lernmotivation zu rechnen, es findet ein besserer Informations- und Erfahrungsaustausch innerhalb der Teams (in unserem Fall auch europaweit) statt, die Mitarbeiter entwickeln eine neues „Lernselbstbewusstsein“, das über die traditionelle Firmenweiterbildung hinaus geht und eher in die Richtung „Life Long Learning“ tendiert.
- Die Kunden werden dank verbesserter Kooperation zufriedener sein, die Service-Angebote können verbessert werden und es entsteht eine neue, längerfristige Kundenbindung.
Wichtig ist, dass ich bei meiner Argumentation auf ein ganzheitliches Bild des E-Learning Konzeptes achte, dass ich die von mir dargestellte Visionen so darstelle, dass die Vertriebsleiterin die langfristigen Ziele erkennen kann, und dass diese Ziele realistisch und wirtschaftlich tragbar sind. Gelingt mir dies, dann wird sie keine Gegenargumente mehr haben! ;-)
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