Eine perfekte Lehrperson – gibt es die überhaupt? Wer würde darauf schon mit „ja“ antworten? Zu sehr wurde unsere Schul- und Ausbildungslaufbahn von Lehrerbildern bestimmt, die ein so unterschiedliches Potpourri von Persönlichkeitsmerkmalen ergeben, das man von „einem ganz bestimmten“ Lehrerbild gar nicht sprechen kann, geschweige denn von DEM „perfekten“ Lehrer.
Aber irgendetwas können wir immer über unsere Lehrer sagen, denn wer kennt sie nicht, „die Ungerechten“, „die Langweiligen“, „die Kumpel“, „die Fach-Idioten“, usw. – diese äußerst subjektive Liste könnte beliebig fortgesetzt werden. Aber wenn man versucht, eine Person auszumachen, die der – rein subjektiven – Vorstellung des „perfekten Lehrers“ entspricht, so ist es nicht so leicht, mehrere Charakteristiken, die einen „perfekten Lehrer“ ausmachen, in ein und derselben Person wieder zu finden. Und das soll keine Kritik sein – denn der Lehrerberuf, in der Gesellschaft so kritisch beurteilt, ist ein Beruf, der nicht nur eine hohe Komplexität von Kompetenzen voraussetzt, sondern auch wie kaum ein anderer mit Emotionen in Verbindung gebracht wird – sollten diese nun negativ oder positiv sein.
Aber was macht sie nun aus, diese „perfekte“ Lehrperson? - Mein ganz persönliches Brainstorming hat zu folgender Definition geführt:
Grundvoraussetzung ist erst einmal das fachliche Wissen, ansonsten kann ein Lehrer nichts lehren. Diese muss nicht an Perfektion grenzen, sondern sollte in einer Form dargeboten werden, die erkennen lässt, dass auch der Lehrer noch „dazulernt“ (sich z.B. auf den neusten Stand der Dinge bringt). Außerdem sollte er mit Begeisterung seinen Beruf ausüben – aus fachlicher, sowie aus pädagogischer Sicht. Seine Persönlichkeit, seine Stärken und auch seine Schwächen sollten erkennbar bleiben.
Aber vor allem denke ich, dass ein guter Lehrer „transparent“ und „zielorientiert“ arbeiten sollte, damit seine Schüler den Weg, den sie gemeinsam gehen, sowie das Ziel, das sie gemeinsam erreichen wollen, kennen. Dabei sollte die Lehrperson auch die Perspektive der Schüler/Studenten einnehmen können, um auch deren Sichtweise auf das Fach und die Welt zu verstehen, um sie besser führen und lenken zu können.
Des weiteren ist wichtig, dass die Lehrperson die Schüler weder unter- noch überfordert, dass er geduldig ist und Zeit dafür aufbringt, auch die nicht nur fachlichen Aspekte des Lernkontextes zu sehen und zu verstehen. Und Improvisationstalent sollte ein Lehrer besitzen, denn jede Unterrichtseinheit und jeder Schüler/Student ist anders.
Ich glaube, ein Lehrer sollte seinen Schülern etwas "hinterlassen", etwas, das sie in ihr Leben "weitertragen"!
Vergleiche ich nun meine Definition mit der „Kompetenzwanne“ von Döring, so denke ich, dass auch meine Vorstellung der perfekten Lehrperson einer „ganzheitlichen“ Betrachtung der Kompetenzen folgt. Das Input durch die persönlichen und sozialen Kompetenzen des Lehrers sind die Rahmenbedingungen, um fachlich und pädagogisch/didaktisch sinnvolle und zielorientierte Lernwege zu beschreiten. Dass diese „organisiert“ werden müssen, sehe ich als selbstverständlich an.
Ein wenig zurückstellen würde ich die Position des Lehrers als „Coach oder Berater“, denn hier glaube ich, dass der Lehrkontext sowie die kulturelle Lernerfahrung der Schüler/Studenten auf die Möglichkeiten des selbstorganisierten Lernens (mit Unterstützung des Lehrers als Coach) großen Einfluss haben.
Ein Beispiel aus meinem konkreten Alltag: An der italienischen Hochschule, an der ich DaF (Deutsch als Fremdsprache) unterrichte, sehe ich das ideale Lehrerbild von Döring durch folgende Faktoren beeinträchtigt:
a) durch einen sehr rigiden Lehrplan, der oft keinen Freiraum für anderes lässt, als die reine „Informationsübermittlung“ und
b) durch einen kulturellen Lernkontext, der nicht an eigenständiges Lernen heranführt, sondern die „Wissensanhäufung“ (und nicht Wissensorganisation) bevorzugt
Eine „Didaktik von unten“ ist nicht überall und in gleicher Form anwendbar, denn wenn Döring von der „Komplexität der modernen Lehrendenrolle“ spricht, dann geht es dabei meiner Meinung nach nicht nur um „humanere und glaubwürdigere“ Lehrkonzepte von Seiten des Lehrenden (siehe Studienbrief „Didaktik und Methodik“, S. 11), sondern auch um die Analyse der Lernerkompetenzen sowie die gesellschaftlichen Kontexte, in denen gelehrt wird. Ein Lehrerprofil sollte deshalb auch die Charakteristiken der Lernenden einbeziehen, denn ein Lehrer wirkt nicht allein auf die Schüler, auch diese (sowie deren Gesellschaft) beeinflussen dessen „Wirken“ auf maßgebliche Weise.
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Hier findet ihr einen wunderbaren Artikel über "Lehrer" in der ZEIT: http://www.zeit.de/2010/52/DOS-Schule

Liebe Alexandra,
RispondiEliminaich habe auch Simones und deine Beschreibung der perfekten Lehrperson gelesen und musste auch ganz schnell feststellen, dass wir uns doch weitgehend einig sind ; ) Viele Eigenschaften, die du einer perfekten Lehrperson zuschreibst, finde ich auch bei mir wieder. Interssant finde ich dabei vor allem, dass wir beide die fachliche Kompetenz zuerst nennen, in der wir wohl beide, wie du schon richtig sagst, eine Grundvoraussetzung sehen. Besonders gut gefällt mir deine Einleitung, in der du zunächst einmal kritisch hinterfragst, ob es die perfekte Lehrperson überhaupt gibt/geben kann. Besonders die Kombination mit dem Bild finde ich sehr gut, da es bereits schon vor dem Lesen zum Nachdenken einlädt und zum Schmunzeln anregt. Das, was dir bei meiner Beschreibung fehlt, finde ich bei dir ; ) und das ist super: Ein Beispiel aus der Praxis und zwar aus Sicht einer Lehrperson. Diese Tatsache finde ich besonders spannend, da sie mir als Lernende eine andere Sichtweise zeigt. Natürlich sorgt dein Praxisbeispiel auch dafür, dass man deine Kritik in Bezug auf Dörings Kompetenzwanne viel besser nachvollziehen kann. Über den Link habe ich mich auch sehr gefreut. Der Artikel regt, wie auch schon das Bild zu Beginn deiner Beschreibung, zum Nachdenken an und bildet zu deinem Beitrag einen guten Abschluss (da muss ich Simone wohl zustimmen ; )).Außerdem zeigt deine Verlinkung, dass du dich intensiv und auch kritisch mit dem Thema auseinandergesetzt hast.
Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich an deiner Beschreibung besonders die kritische Auseinandersetzung mag, die bei meiner Beschreibung völlig fehlt.
Danke auch für dein Feedback.
lg marion
Liebe Alexandra,
RispondiEliminavielen Dank für Deine ausführliche Betrachtung der 'perfekten' Lehrperson. Ich finde es sehr interessant zu lesen, dass gerade die Educational Medias, die bereits im Lehrberuf tätig sind, differenziert auch die äußeren Grenzen und Restriktionen des Lehrendendaseins schildern und weniger auf eigene Erfahrungen mit den selbst erlebte Lehrenden eingehen.
Du schreibst "Seine Persönlichkeit, seine Stärken und auch seine Schwächen sollten erkennbar bleiben." Wichtig finde ich in diesem Zusammenhang auch, dass die Lehrperson der eigenen Stärke und Schwächen bewusst sein muss, um authentisch unterrichten zu können.
Herzliche Grüße
Britta